Gastbeitrag: Der Mythos Stadtmeisterschaft

Gastbeitrag: Der Mythos Stadtmeisterschaft

Noch Wochen nach der Hallenstadtmeisterschaft ist der Hallenkick in Lünen Gegenstand von durchaus hitzigen Diskussionen. Im Hintergrund tut sich etwas, um die Meisterschaft wieder interessanter zu gestalten. Bis es soweit ist, haben wir aber einen Gastbeitrag für euch. Zuschauer Moritz Berger hat sich über die Tage in der Rundsporthalle ausgelassen…

Als ich selbst noch aktiver „Zocker“ in Lünen war, war mir selbst leider nur eine zweimalige Teilnahme an den Jugendstadtmeisterschaften vergönnt und auch die Seniorenrunden verpasste ich fast durch die Bank, da ich mit der Familie im Winterurlaub weilte. Nach der Schule zog es mich dann in die Ferne und so blieb mir auch in dieser Zeit nichts anderes übrig, als mich durch Freunde und Zeitung über den Lüner Meisterkampf auf dem Laufenden zu halten.

Umso größer war meine Freude, dass ich es dieses Jahr (2018), nach mehr als fünf Jahren, mal wieder zu einer Stadtmeisterschaft schaffen würde. Vielleicht ist es auch dieser Tatsache und der Vorfreude geschuldet, dass meine Erwartungen vor Ort so sehr enttäuscht wurden.

Teures Bier

Die Ernüchterung begann am Freitag, dem ersten Turniertag der Senioren, bereits am Einlass. Vier Euro Eintritt für zehn VORRUNDEN-Spiele von Amateurmannschaften finde ich persönlich deutlich zu hoch. Verwunderlich auch, dass der Preis für den zweiten Turniertag, der ebenfalls zehn Vorrundenpartien plus die Endrunde umfasste, gleich blieb. Da hätte man vielleicht überlegen können, den ersten Tag etwas günstiger anzubieten, denn hier gab es für das gleiche Geld eben nicht die gleiche Leistung.

Doch nicht nur der Eintrittspreis war hoch. Mit das Erste, was ich vor Ort hörte, waren die Beschwerden über den komplett überteuerten Preis für Bier: 2,50 Euro für 0,2l. Ich kenne einige Kneipen, in denen ich für denselben Preis oder sogar weniger 0,5l frischgezapftes Pils kriege, und da sitze ich im Warmen und stehe nicht in Regen und Kälte.

Wer jetzt denkt, dass er für dieses Geld wenigstens eine Top-Organisation geboten bekommt, der liegt leider falsch. Während sich am Freitag, der kaum besucht war, teilweise drei Ordner pro Aufgang gegenseitig im Weg standen, war am Samstag während des Finales, des einzigen Spiels mit so etwas wie Stimmung, nur noch ein einziger Ordner zu sehen. Für die ganze Tribüne.

Die Stadtmeisterschaft – Ein persönlicher Reinfall

Auch nahmen manche der Gelbwesten während des Spiels ihrer eigenen Mannschaft ihre eigentliche Aufgabe gar nicht war, sondern versteckten ihre Ordnerweste unter der Jacke, um das Spiel besser sehen zu können. Am Freitag war es zudem noch verboten, Getränke mit auf die Tribüne zu nehmen und dieses Verbot wurde auch konsequent durchgesetzt, am Samstag allerdings saßen während des Finals die meisten Leute mit Getränken auf der Tribüne. Wer hätte es auch verhindern sollen? Es war ja kein Ordner da.

All diese Punkte haben sicherlich ihren Teil dazu beigetragen, dass die diesjährige Stadtmeisterschaft für mich persönlich ein Reinfall war. Und vielleicht hätte ich sogar über all das hinwegsehen können, wenn es das, was für mich die Titelkämpfe zum Mythos gemacht hat, auch in diesem Jahr gegeben hätte: Stimmung. Diese wollte jedoch so gar nicht aufkommen, es waren eben keine Leute da.

Am Freitag konnte man sich noch vertrösten, dass es ein Werktag war und Dortmund spielte und dass es am Samstag schon besser würde. Wurde es aber nicht. Man hatte zu keinem Zeitpunkt Probleme einen Platz zu finden und diejenigen, die Freitags noch den Sieg der Borussia gefeiert hatten und am nächsten Tag, im Glauben, dass es voll werden würde, bereits früh zur Halle getorkelt kamen, hätten ihren Rausch ohne Probleme auf den halb leeren Bänken ausschlafen können.

Das Maß ist voll

Für viele Leute, mich selbst eingeschlossen, hat der Fußball quasi-religiöse Züge. Deswegen denken manche Entscheidungsträger vielleicht, dass sie mit allem durchkommen: mit horrenden Preisen, bescheuerten Ansetzungen und/oder schlechter Organisation.

Irgendwann ist das Maß dann aber voll, zumindest bei mir. Ich will nicht, dass die „Religion Fußball“ das gleiche Problem bekommt wie die „richtigen“ Religionen: Mitgliederschwund. Denn dann würde der Fußball das verlieren, was ihn so großartig macht: das Verbindende, dass alle Menschen zusammenkommen, um dieses großartige Spiel zu zelebrieren. Hoffentlich lernen die Verantwortlichen aus diesem Jahr und machen die nächsten Meisterschaften wieder zu einem Mythos.

Gastbeitrag von Moritz Berger

Die Beiträge von unseren Gast-Autoren müssen nicht zwingend mit der Meinung des Vereins übereinstimmen

Florian Dellbrügge

Florian Dellbrügge ist Geschäftsführer des BV Lünen und gleichzeitig verantwortlich für die Homepage der Geister. Bei Fragen und Anregungen darfst du dich gerne an ihn wenden. Du erreichst ihn unter florian.dellbruegge@bv05.de